2005 habe ich nach einigen wenigen Hinweisen in lokalen Heimatbüchern die
ersten Teile dieses Weges gefunden – ohne ihn zu suchen. Im Jahr 2006 habe
ich ihn systematisch erforscht, mit Hilfe der einzigen umfassenden Veröffentlichung
des ehemaligen Penker Volksschuldirektors Johann Danzer (+ 1985)
von 1965 und einigen Hinweisen aus der Umgebung. Ich wohne übrigens
ziemlich genau im Verlauf des Entweges, etwa 30 Höhenmeter oberhalb von
Göttschach, es ist also wirklich „mein Weg“.

Der Teil des Entweges, der vom Schwarzatal ins Pittental verläuft, geht völlig
eben mit gerade einmal +/- 50 Höhenmetern Differenz über eine Strecke von
etwa 23 km verteilt dahin. Beim Pittental ist er keineswegs zu Ende, denn er
führt von Kirchau ins Haßbachtal hinein und auf der gegenüberliegenden Seite
wieder hinaus, um den Kulmriegel herum und endet schließlich im Feistritztal.

Der von mir begangene Teil ist also gerade einmal etwas mehr als 1/3 des Gesamtweges – sofern es überhaupt ein Weg war.

Der Entweg wird ein einziges Mal urkundlich erwähnt: 1144 im Kodex des
Klosters Formbach – die Formbacher waren die Gründer das Klosters
Gloggnitz. Dort wird er bereits als „antiskenwek“, also als alter Weg, erwähnt,
muss also wohl über 1000 Jahre alt sein. Wer ihn gebaut hat, wann er gebaut
wurde und zu welchem Zweck, das liegt im Dunkel der Geschichte. Die Vermutung,
es seien die Römer gewesen, ist nicht belegbar, so bleibt mehr als ein
Jahrtausend Spielraum – von den Kelten bis zu den Babenbergern.

Man muss sich eines vor Augen halten: Das Tal der Schwarza von Neukirchen
bis Gloggnitz war zu dieser Zeit dichter Urwald mit wenigen verstreuten Siedlern.
Hier gab es weder befestigte Städte, noch militärische Einrichtungen oder
Bodenschätze. Und all jene, die sich hier angesiedelten hatten – Kelten, Römer,
Germanen, Awaren, Slawen, Bayern, Franken – hatten Angst, nicht vor
irgendeinem Herrscher, sondern vor ihren Nachbarn – und vor dem Wald, denn
hier herrschten Räuber, hierher hatten sich Verfemte und Vogelfreie zurückgezogen.

Ich bin wohl insgesamt in vielen Etappen an die 40 bis 50 Stunden den Weg
entlanggegangen, habe ihn immer wieder verloren, mehr oder weniger mühsam
wiedergefunden, stundenlang durch menschenleere Wälder und Gräben strei-
fend – da kommen eine Menge Gedanken und setzen sich fest. Es lag also
nahe, zusätzlich zu diesem heimatkundlichen Buch auch ein nachdenkliches
Buch zu schreiben – „Der Weg – Gedanken über das Suchen und Finden“,
auch erschienen bei Edition Zaunreiter 2007. In diesem Buch finden Sie auch
viel mehr Fotos vom Entweg.

Heute kennen noch wenige ältere Einwohner in den angrenzenden Gemeinden
diesen Weg, das sind vor allem jene, die noch bei Johann Danzer in die Volksschule
Penk gegangen sind und die wenigen, die sich mit heimatkundlichen
Themen beschäftigen. Bei meinen Recherchen kam ich zu einer interessanten
Erkenntnis: Außerhalb heimatkundlicher Quellen, also alter Festschriften und
Gemeindebüchern, gab es auch in 1000 Seiten dicken Dissertationen und wissenschaftlichen Werken kaum neue Erkenntnisse.

Selbst der Verlauf der Römerstraßen über Wechsel und Semmering ist bis
heute nicht endgültig geklärt, ja nicht einmal deren Bestehen. So bleiben Ursprung
und Zweck des Weges im Dunkel, aber der Weg selbst lebt und da er
mindestens 1000 Jahre überstanden hat, wird er wohl noch weiterleben.
Bei der nach 1960 geborenen Generation ist dieser Weg praktisch vergessen.
Dieses Buch stellt keinen Anspruch darauf, alle vorhandenen Quellen abzubilden
– ich habe die Quellen verwendet, die mir zugänglich waren. Ich gehe auch
nicht davon aus, dass ich hier neue Erkenntnisse oder gar die unumstößliche
historische „Wahrheit“ vermittle. Es ist mir auch bewusst, dass am Ende dieses
Buches keine logischen und unumstößlich Schlussfolgerung über Bau und
Zweck des Entweges stehen kann.

Dieses Buch ist ein Erlebnisbericht eines Neugierigen, der zwar nicht im
Schwarzatal geboren ist, sich aber heute als Schwarzataler fühlt und etwas
dazu beigetragen wollte, dass sich auch im 21. Jahrhundert weiter Menschen
mit diesem Weg beschäftigen – oder seine Existenz wenigstens kennen.
Wenn mir das gelungen ist, bin ich zufrieden und nehme auch missbilligendes
Schulterzucken wissenschaftlich arbeitender Historiker gerne hin.